Dingler-Online

Arbeit am digitalen »Polytechnischen Journal«

Jedem Jahrgange soll, um das Ganze noch brauchbarer zu machen, ein vollständiges Sach- und Namensregister beigefügt werden. (Polytechnisches Journal, Bd. 1, 1820, S. v.)

Dieser vielversprechende Vermerk des Herausgebers J. G. Dingler ist gewissermaßen bis heute Programm geblieben. Wenn Dingler schon vor dem ersten Erscheinen seines Journals in Aussicht stellt, sein großangelegtes Projekt mit vollständigen Registern zu komplettieren, so ist seine Zeitschrift von Beginn an eindeutig als enzyklopädisches Nachschlagewerk angelegt. Allein die Tatsache, dass es nur einmal pro Jahrgang, d.h. anfänglich alle drei, später alle vier Bände einen solchen Index gibt, deutet darauf hin, wie arbeitsintensiv und zeitaufwendig das händische Erstellen dieser Indizes zur damaligen Zeit war.

Heute, und damit sind wir bei der textdigitalisierten Ausgabe des »Polytechnischen Journals«, können diese Register teilweise automatisiert erstellt werden. Für den entscheidenden Mehrwert bezüglich des wissenschaftlichen Umgangs mit dem Digitalisat ist jedoch nach wie vor viel Handarbeit nötig. In diesem Sinne versteht sich unser Projekt tatsächlich als echte Fortführung der Herausgeberschaft des Journals.

Arbeiten mit dem digitalen »Polytechnischen Journal«

Dem Plane gemäß, soll dieses polytechnische Journal allgemeine Brauchbarkeit mit Gründlichkeit und Vollständigkeit so viel möglich vereinigen […]. (Polytechnisches Journal, Bd. 1, 1820, S. iv.)

Die von J. G. Dingler im Vorwort zum ersten Band des »Polytechnischen Journals« erwähnte Vollständigkeit ist ein Verweis auf die für die Zeitschrift tatsächlich europaweit rezensierten Quellen. Dieses einmalige Archiv lässt somit Rückschlüsse auf die zur jeweiligen Zeit gerade relevanten (poly-)technischen Diskurse zu.

Da die Herausgeber des Journals die bibliographischen Angaben der für die Artikel verwendeten Journale detailiert mit angeben, und andererseits immer mehr dieser Zeitschriften bereits auch digital vorliegen, ist es möglich, ›Links‹ auf diese Originale zu setzen. Hinweise zum konkreten Vorgehen finden sich auf der Seite Textauszeichnung am Modell.

So lassen sich beispielsweise Auswahlkriterien rekonstruieren, welche europäischen Patente für Deutschland als relevant erachtet wurden. Es können Patentfehden nachgezeichnet werden, die sich über mehrere Länder und damit Kulturen hinweg erstrecken. Oder es können Übersetzungsprobleme analysiert werden: Eine Erfindung erscheint zwar interessant und relevant, ihr Funktionieren (oder Nicht-Funktionieren) aber erschließt sich weder aus der Originalveröffentlichung noch aus der kommentierten Übersetzung im »Polytechnischen Journal«.

Kulturelle Überlieferung umfasst im »Dingler« deshalb nicht alleine ein ausformuliertes Wissen, das in Tabellen und Formeln lediglich für den Wissenschaftshistoriker von Interesse ist. Vielmehr changiert die Zeitschrift als Textgattung beständig zwischen Wissen und Wissenschaft, zwischen Alltag und Industrie, zwischen Konkretem und Allgemeinem, zwischen Text und Bild.

Zum Aspekt der Transformation von Wissen zählt neben den Textanteilen selbstverständlich auch das Bildmaterial. Das »Polytechnische Journal« ist extrem reich bebildert, natürlich entsprechend den medialen Bedingungen der Zeit zunächst als Anhangtafeln (Kupferstich bzw. Lithographie). Ab 1891 sind die Bilder direkt im Textbereich integriert.

Von den teilweise über 100 Figuren, die sich auf den Falttafeln befinden, wird jede einzeln über ihre Koordinaten ausgezeichnet. Dadurch wird ermöglicht, dass die im Artikel genannten Figuren per Link direkt zugänglich gemacht werden. Hinweise zur technischen Umsetzung finden sie auf der Seite Textauszeichnung am Modell.